Die perfekte Christin

Man nehme ein bisschen Nächstenliebe, ein wenig Enthaltsamkeit, Demut, vielleicht auch noch eine Portion Ehrenamt – fertig ist die gute Christin. Oder nicht?

Was bedeutet es eigentlich, eine gute Christin zu sein? Gibt es dafür einen Maßstab, eine Verhaltensregel, an der ich mich zu orientieren habe? Ziemlich lange habe ich genau das gedacht – dass ich nämlich eine ganz bestimmte Art Mensch sein muss, um Gottes Liebe würdig zu sein. Und ich habe den Eindruck, dass viele Menschen so denken. Zu hoch ist die Einstiegshürde zum Glauben. Zu lebendig ist das Vorurteil, als Gläubige müsse man das bisherige Leben verändern oder gar aufgeben; sich einschränken in seinem Tun.

Nur: warum? Warum sollte ich mich, die doch durch und von Gott geschaffen wurde, ändern? Wie sollte mein Schöpfer mich nicht lieben? Der mich begleitet, meine Schwächen kennt und weiß, dass ich nicht perfekt sein kann.

Dass Gott mir all seine Liebe schenkt, habe ich erst in der FeG erkennen können. Er verzeiht mir und er erwartet keine Vollkommenheit von mir. Natürlich ist das kein Freifahrtschein zur Rücksichtslosigkeit, kein Ticket zum „Sich-gehen-lassen“. Und doch nimmt Gottes Liebe Last von meinen Schultern und gibt mir Gewissheit, mich nie der Einsamkeit fürchten zu müssen. Sie zeigt: Es gibt kein Rezept für die eine und einzig gute Christin. Denn genau wie Gott selbst sind seine Kinder voller Vielfalt.