Wenn ich an die pflichtbewussten Gottesdienste aus meiner Konfirmandenzeit zurückdenke, sehe ich vor meinem inneren Auge ein deutliches Bild: Da ist die Kirche meines Heimatortes mit den weißen Mauern und den langen Bänken, auf dessen Ablageflächen die rot eingebundenen Gesangsbücher liegen. Sorgsam stecke ich die beiden Lesezeichen meines Gesangsbuches zwischen die Seiten der ersten zwei Lieder. Ich freue mich auf das gemeinsame Singen. Schaue ich mich um, so blicke ich auf größtenteils leere Bänke. Vereinzelt nehmen ältere Menschen jenseits des Rentenalters in den Reihen Platz. Es sind jeden Sonntag die gleichen Gottesdienstbesucher, die hierherkommen – Stammgäste.

Und dann diese Stille in der Kirche. Stille, trotz der Glocken und des Orgelspiels, ehrfürchtig ja, aber irgendwie auch unangenehm. Endlich der gemeinsame Gesang, aber in allem fehlen der Funken Freude und die Dankbarkeit, die ich in meinem Glauben empfinde.

Nein, ich gehe nicht gerne zum Gottesdienst. Und dennoch hinterfrage ich das Prozedere niemals wirklich – so sind Gottesdienste eben, was soll ich daran ändern?

Zeitsprung in den November letzten Jahres: Zum ersten Mal seit langer Zeit komme ich wieder mit dem christlichen Glauben in Berührung. Mein Freund und ich besuchen einen Workshop zum Thema Partnerschaft, von dem wir zufällig erfahren haben. Veranstaltet wird der Abend vom Projekt Friedenskirche. Wir freuen uns, sind aber auch ein wenig skeptisch – lange haben wir uns nicht mehr mit unserem Glauben beschäftigt und fürchten uns vor „zu viel Gott“. Der Abend beginnt, die Teilnehmer singen zum Einstieg gemeinsam, teilweise auf Englisch. Wir werden mit einem Klavier statt mit dem schweren, eindringlichen Klang der Orgel begleitet. In mir breitet sich eine unerwartete Freude aus.

Wie sieht der richtige Gottesdienst aus? Wie drücke ich meinen Glauben aus? Vor allem letzteres, der körperliche Ausdruck des Glaubens während des Lobpreises, war für mich gänzlich ungewohnt in den Gottesdiensten der FeG Osnabrück. Es wird nicht still gesessen – es darf getanzt werden, gezwungen wird dennoch niemand. Dieses freie Ausleben dessen, was jede*r von uns fühlt, empfinde ich als unglaublich wertvoll, besonders im kirchlichen Umfeld. Die Atmosphäre in den Gottesdiensten ist nicht drückend, sie preist den Herrn auf eine authentische Art und Weise. Wir stehen nicht still, wir leben unseren Glauben so aus, wie wir es möchten. Gott sieht uns. Und ja, ich gehe gerne zum Gottesdienst.